Es war ein berührender Auftakt für all die, die aus nächster Nähe den Start der Multi-Media-Installation „Neue Perspektiven“ miterlebten. In T 1 bei Kälte und Regen gesellten sich immer wieder Passanten dazu. Dem Künstlerteam Alexander Doss und Eric Carstensen (Multimedia), Sofia Disson (Textauswahl), Kiti Violine (Musik) ist es gelungen, die kontemplative Stimmung in den Quadraten der Breiten Straße zwischen K1 und U1 herzustellen, die sie sich wünschten und andere dies miterleben zu lassen. Anerkennung gab es von vielen Seiten.



Die auf drei Hausfassaden projizierten Bildsequenzen strahlen Ruhe aus, öffnen Räume, wandern teilweise von Hauswand zu Hauswand und bringen warme und freundliche Farben auf die Abbruchfassaden. Die Installation, die drei Laser-Projektoren im zweiten Stockwerk in U1 ansteuern, wird vier Wochen lang ab 20 Uhr laufen.
Auf der Suche nach geeigneten Projektionsflächen, sagt Alexander Doss, seien sie von dieser Ecke in der Breiten Straße schnell überzeugt gewesen. „Und vermittelt Abbruch und Baustelle nicht auch Aufbruch?“ fragt Doss, „öffnet den Blick in etwas Neues, was kommen wird.“ Einstweilen sind diese Fassaden noch der Projektionskunst vorbehalten.



„Perspektiven brauchen alle Menschen“. Für die Psychologin Sofia Disson, die das Konzept und die Auswahl der Textsequenzen mit ausarbeitete, ist es „notwendig“, auch vor dem Hintergrund der jüngsten Amokfahrt auf den Planken andere, heilende Bilder und Perspektiven zu entwickeln. „Neue Perspektiven“, so lautet deshalb der Titel der ersten Sequenz der Multimedia-Installation. Weitere werden folgen.



Eine Erkenntnis, die von Philosophen und Musikern, von Literaten und Wissenschaftlern in sehr unterschiedlicher Weise formuliert wurde. Der Physiker Albert Einstein zum Beispiel sagte: „In der Mitte von Schwierigkeiten liegen die Möglichkeiten“. Oder der schottische Philosoph David Hume: „Die Schönheit der Dinge lebt in der Seele dessen, der sie betrachtet.“ Solche Texte erscheinen immer wieder auf den überdimensionalen Flächen, in deutscher und übersetzt in türkischer und arabischer Sprache.
Carstensen, der wie Doss auf Multimediakunst spezialisiert ist, erzählt, dass das Aufspielen der Schrift in arabischer Sprache von rechts nach links eine technische Herausforderung gewesen sei.


„Wir brauchen mehr solcher Angebote im öffentlichen Raum, vor allem in der Innenstadt, weil wir damit so viele unterschiedliche Menschen erreichen und die Stadt dadurch erlebbarer und attraktiver machen können“, sagte Thorsten Riehle, Bürgermeister für Wirtschaft, Arbeit, Soziales und Kulturder sich bei dem Künstlerteam für Ideen, Aufwand und Kreativität bedankte.


Petar Drakul, der Leiter von FutuRaum und einer der Förderer der Lichtinstallation, freute sich mit den Kunstschaffenden, dass das Projekt gelungen ist: ein belebendes Element in der Breiten Straße, das mit nicht allzu großem Aufwand, den Menschen Schönes bietet. „Wir wollen etwas Licht in die Quadrate bringen. Die Baulücken sind nicht schön, doch nun können wir zeigen, welch einen wichtigen Faktor die Kultur für die Innenstadtentwicklung spielen kann.“